Stocherkahn kompaktEin Stocherkahn ist ein Flachboot, das mit einer Holzstange (in der Regel aus Fichte) vom Grund des Gewässers (Fluß, Bach, See etc.) abgestoßen wird. Damit sie dort auch stecken bleibt und wegen ihrem Auftrieb nicht abhebt, ist an ihrem unteren Ende ein Stahlrohr aufgepreßt, das mit einer Stahlspitze versehen ist als Gegengewicht angebracht, der sog. "Schuh" (so sieht er aus).
Die Bootsform ist die eines Nachens. Stochern ist weltweit sicherlich die häufigste Fortbewegungsart in Flachgewässern, ein Boot und eine Stange Holz, mehr ist nicht notwendig. Die Möglichkeit, auf einem Fluß quasi mitten durch die Stadt zu stochern und dabei ihre schöne Kulisse zu genießen, gibt es in Europa nur in Tübingen, Cambridge und Oxford. Wer nach Neuseeland reist, kann in Christchurch ähnliches erleben. Nirgendwo aber sind die Kähne, die man dort antrifft, so groß wie in Tübingen. Es werden immer wieder Tübinger Stocherkähne mit den Gondeln in Venedig verglichen, dabei handelt es sich jedoch um völlig unterschiedliche Bootstypen - die Gondeln sind asymmetrisch gebaut und stochern wäre in Venedig sowieso nicht zu empfehlen, nicht nur wegen dem Schlamm. Bis ins Jahr 1899 nutzten Flößer den Neckar, um Holz vom Schwarzwald bis nach Holland zu transportieren. Danach wurden immer mehr Stauwehre gebaut, um die ständige Hochwassergefahr in den Griff zu bekommen, kein Floß konnte solche Hindernisse überwinden und eine Tradition starb aus. Des Einen Freud', des Anderen Leid: Durch den Bau des ersten deutschen Brückenwehrs in Tübingen (1905), das den Neckar um Meter aufstaute und ihn im Stadtbereich befahrbar machte, wurde die Möglichkeit geschaffen, Stochern zum Zeitvertreib zu nutzen, ohne der launischen Strömung ausgesetzt zu sein. Diese Nische entdeckten sofort die Studentenverbindungen und bald legte sich jede mindestens einen Kahn zu und nutzte den Neckar für allerlei Freizeitvergnügungen und Gaudi. Gerne wurden auch interne Feindschaften auf dem Neckar ausgetragen - als das Stocherkahnrennen ausgedacht wurde (ein Bild von uns 2008), war ein einigermaßen sportlicher Rahmen dafür gefunden. Heute verfügen auch viele Fachschaften, Institute, Vereine und Privatpersonen über einen Stocherkahn, die Begründer sind zahlenmäßig und auch optisch in den Hintergrund getreten. |
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Wir starten den Versuch, Ihnen zu erklären, wie man sich sicher mit dem Stocherkahn auf dem Neckar bewegt, ohne naß zu werden (besser ausgedrückt, ohne baden zu gehen). Das Bild links zeigt vieles davon, wie man es nicht machen sollte.